Kathrin Hendrich

Gut spielen und gewinnen

Spielszene von Kathrin Hendrich Foto: FC Bayern München
Vollgas für den FC Bayern München: Verteidigerin Kathrin Hendrich trainiert viel, um die hohen Erwartungen zu erfüllen.

Gut spielen, gewinnen und möglichst viele Titel holen: Dieser Anspruch gilt nicht nur für die Fußballprofis Robert Lewandowski, Thomas Müller, Manuel Neuer und Serge Gnabry. „Bei uns Frauen ist das nicht anders. Das ist das Bayern-Gen und das macht für mich den Reiz aus“, erklärt Kathrin Hendrich. Die 27-jährige Nationalspielerin ist seit dieser Saison Verteidigerin beim FC Bayern München. Wie die Studentin der FernUniversität Fußball und Fernstudium unter einen Hut bekommt, verrät sie uns kurz vor dem Nachmittagstraining.

Hohe Erwartungen beim FC Bayern

Die Erwartungen in München sind hoch, das Pensum und die Ziele auch. Zweimal pro Tag ist Training. Wie passt da noch ein Fernstudium rein? „Im Moment steht der Sport auf Platz eins“, sagt Kathrin Hendrich. „Aber ich mache mir natürlich Gedanken, was danach kommt. Schließlich kann die Profikarriere von jetzt auf gleich vorbei sein.“ Wie sich eine längere Verletzungspause anfühlt, hat sie zu Beginn ihrer Laufbahn als junge Spielerin selbst erlebt. Nach einem Kreuzbandriss kämpfte sich Kathrin Hendrich zurück. Sie erhielt ihren ersten Profivertrag bei Bayer Leverkusen, feierte Erfolge mit dem 1. FFC Frankfurt und der Nationalelf.

Ausgleich für den Kopf

Auf das Leben nach dem Profifußball bereitet sich die Olympiasiegerin von Rio 2016 mit dem Bachelorstudium in Bildungswissenschaft vor. „Die FernUni ist für mich optimal“, berichtet sie. „Ich teile mir selbst ein, wann und wo ich lerne.“ Das kann zwischen zwei Trainingseinheiten im Aufenthaltsraum auf dem Bayern-Gelände sein, im Flieger oder im Mannschaftsbus bei der Anreise zu Auswärtsspielen, im Trainingslager mit dem Nationalteam und an freien Tagen zu Hause. Auch wenn oft nur wenig Zeit zum Lernen bleibt, rückt der Abschluss in Reichweite. Es sind nur noch drei Prüfungen bis zum Bachelor. „Ich habe im Studium schon viel geschafft. Außerdem ist das Lernen für mich ein guter Ausgleich“, berichtet Kathrin Hendrich. „Es macht Spaß, neben dem Fußball noch etwas für den Kopf zu tun.“

Mittelfristig soll weiter der Fußball an erster Stelle stehen. Der Traum von der erneuten Olympia-Teilnahme in Tokio 2020 ist für die deutschen Fußball-Frauen geplatzt.Doch ein weiteres Großereignis wirft seine Schatten voraus. Die Frauen-Europameisterschaft wird 2021 im fußballverrückten England ausgetragen. „Wir haben im November in Wembley vor 77.000 Zuschauern gespielt. Das war eine unglaubliche Kulisse. Daher wird die nächste EM ein besonderes Erlebnis für uns“, nennt Hendrich das große Ziel des Nationalteams nach dem frühen Viertelfinal-Aus gegen Schweden bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Sommer.

Fußball und Bildung verbinden

Was aber kommt langfristig nach den sportlichen Erfolgen? „Ich könnte mir vorstellen, Fußball und Bildung zu verbinden, etwa in einer Fußballschule“, blickt Kathrin Hendrich in die Zukunft. Doch das hat noch Zeit. Jetzt muss sie erstmal los. Das Nachmittagstraining auf dem Bayern-Gelände beginnt gleich.

Stand: Januar 2020

Carolin Annemüller | 29.07.2020